Review: Haberecht 4 - Essence

20.08.2016 16:34 von jazz (Kommentare: 0)

 

Haberecht 4 - Essence Cover
 

 

Double moon DMCHR 71176

 

Kerstin Haberecht verlässt nie den Boden der Tradition, doch sie mischt sie mit modernen Elementen und Expression. Ihre Kompositionen zeugen von Sicherheit und Geschmack. „Schlafloser Februar“  ist eine lyrische Ballade voller Gefühl ohne sentimental zu werden. In der Einleitung streicht Bastian Weinig den Kontrabass melodisch zu ostinaten Akzenten des Schlagzeugers Mathis Grossmann, Nicolas Hering tastet suchend einige Akkorde auf dem Piano oder lässt die Noten aus den Tasten perlen und Kerstin Haberecht bläst ihr Saxophon beseelt, vertraut sonor oder untermalt dezent.

 

Das folgende „Lost and won“ zählt wie viele andere Stücke auf der CD zu den bekannten Themen aus dem Repertoire der Mainzer Instrumentalistin. Die Frontfrau führt mit kantablen Linien bis zu expressiven Passagen zum nervös pulsierenden Schlagzeugspiel. Die Komposition belegt wie andere die Vorliebe der Komponistin für Ostinati und Harmonievariationen.

 

Die neun Kompositionen von Kerstin Haberecht stehen für eine „Essence“ der jungen Saxophonistin, die nach Einschätzung des Kollegen Steffen Weber durch unterschiedliche Duftnoten bestechen. In den kongenialen Interaktionen wird kein Ton zu viel gespielt, dennoch vermisst der Zuhörer  in dieser in sich logisch geschlossenen Ausgestaltung auch nichts.   

 

Besonders gefällt der Einsatz des marschierenden Basses zur zunächst relaxenden Fortschreitung, dann zur Spannungssteigerung. Dazu trägt auch der Pianist Nicolas Hering bei, der souverän und bruchlos zwischen perlenden Läufen und sperrigen Tastenspiel  zum Beispiel in „Boxstunde“ wechselt. Wie schon bei einleitenden „Unforgettable Colors“ unterstreicht auch „Metamollphose“ trotz eines schnellen und intensiven Parts mit flirrenden Saxophonläufen den insgesamt meditativen Charakter der Debut-CD, auf der nach den Worten des Pianisten Sebastian Sternal das Quartett „Haberecht 4“ einen erstaunlich reifen und warmen Bandsound kreiert, der mit seinem wandelbaren Ausdruck mehr ist als die Summe seine Teile. 

 

(km)

 

 

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