Review: Muche/Hein „7000 Eichen“ - Transferration

29.11.2016 15:56 von jazz (Kommentare: 0)

 

Muche Hein 7000 Eichen cover

 

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Sofern man den Begriff „Musik“ in herkömmlicher Weise definiert sind es eher Sounds und Geräusche, die das Duo „7000 Eichen“ mit dem Gitarristen und Elektroniker Nicola Hein sowie dem Posaunisten Matthias Muche produziert. Es entsteht eine Art „Musik“, die aus anhaltenden Ostinati und elektronischem Wabern unter dem abstrakten Posaunenspiel zu spannenden Collagen zusammengefügt wird. Freie Improvisationen kosten die Soundmöglichkeiten und Spielweisen der Instrumente aus, überschreiten Grenzen durch den Einsatz von Elektronik, erweitern die Farben der Klangräume – just so, wie es Hein und Muche tun.

 

„Zwitschern“ ist der Titel einer Collage, denn von Komposition kann man nicht sprechen – es sei denn man ergänzt sie durch Spontanität. Ähnlich spontane Schöpfungen wie Matthias Muche hat Albert Mangelsdorff in seinem mehrstimmigen Solokonzerten geschaffen. Allerdings hatte er keinen kongenialen und kreativen Partner wie den Gitarristen Nicola Hein, der mit vielfältigem Zubehör meist abrundend-ergänzende und antwortende Parts übernimmt.

 

In manchen Passagen klingt die Posaune fast konventionell, in anderen werden ihre atmenden Luftsäulen und das stakkatohafte Spiel durch die Aktionen des Partners verfremdet. Muche verbindet auf der Posaune die reinen Klänge mit erweiterten Spieltechniken. So schafft er mit Hein den Bezug zu einer neuen Ästhetik in der Avantgarde und dem Jazz.

 

 Gänzlich eigene Dimensionen erhalten die Improvisationen durch ihren hohen energetischen und dynamischen Level – selbst dann, wenn, wie in der Einleitung der Improvisation zu „Künstlerhaus II“, ein schwebender und leiser Sound erklingt. Das Booklet spricht weitgehend treffend von einem „Reduktionismus“.

 

Den Namen „7000 Eichen“ verdankt das Duo dem Künstler Joseph Beuys und seiner Arbeit „7000 Eichen- Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ anlässlich zweier Dokumenta-Ausstellungen.

 

(km)

 

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